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Geheimakte - Geheimakte: Oktoberfest-Attentat - Folge 1

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Am Abend des 26. September 1980 detoniert die Bombe in einem Papierkorb auf dem Oktoberfest in München. Juliette Marischka aus den ANTENNE BAYERN Nachrichten hat das Attentat als junges Mädchen überlebt. „Ein Passant hält mich auf und spricht mich vor einem Fahrgeschäft an… das dauert vielleicht zehn Sekunden - zehn Sekunden, die über Leben und Tod entscheiden.“ 40 Jahre nach dem Oktoberfest-Attentat gibt es noch immer viele Unklarheiten und Fragen. Juliette Marischka erzählt erstmals als Augenzeugin von dieser Nacht. ANTENNE BAYERN - Reporter Christoph Lemmer spricht mit Zeitzeugen und geht den vielen offenen Fragen nach. Geheimakte „Oktoberfest-Attentat“ - Ein Podcast von ANTENNE BAYERN.

Eine
gewaltige
Explosion
reißt
13
Menschen
in
den
Tod.
Also
wenn
ich
damals
nicht
etwas
länger
vor
so
einem
wilden
Karussell
stehengeblieben
wäre,
dann
wäre
ich
möglicherweise
nicht
mehr
am
Leben.
Mein
Name
ist
duelliert,
Marischka.
Ich
arbeite
bei
Antenne
Bayern
in
der
Nachrichtenredaktion
und
das
Oktoberfestattentat
ist
auch
Teil
meiner
ganz
persönlichen
Geschichte
rechtsextremer
Terror
auf
der
Theresienwiese.
Die
Bilder
von
damals
bleiben
immer
in
meinem
Kopf.
Heute,
vier
Jahrzehnte
später,
gibt
es
noch
immer
unzählige
Fragen.
Ich
bin
Christoph
Lemmer.
Ich
begleite
durch
diesen
Podcast
und
begebe
mich
auf
Spurensuche,
denn
es
wurden
Beweise
vernichtet
und
Zeugen
ignoriert.
Was
wussten
Geheimdienste
und
Spitzenpolitiker?
Der
schwerste
Anschlag
in
der
Geschichte
der
Bundesrepublik
40
Jahre.
Ein
trauriger
Jahrestag.
Geheimakten
Oktoberfestattentat.
Ein
Podcast
von
Antenne
Bayern.
Episode
1.
Freitag,
der
26.
September
1980.
Wie
lange
ist
das
schon
wieder
her?
Und
trotzdem
sehe
ich
einige
Bilder
noch
ganz
genau
in
meinem
Kopf.
Meine
Eltern
haben
mir
erlaubt,
abends
mit
drei
Freunden
auf
die
Wiesen
zu
gehen.
Ausnahmsweise
war
Jungs
dabei
sind
die
auf
meine
Freundin
aufpassen.
Falls
uns
irgendwelche
Betrunkene
anpöbeln.
Ich
muss
aber
versprechen,
pünktlich
um
halb
zwölf
zu
Hause
zu
sein.
Sein
lustiger
Abend.
Mir
fiel
natürlich
völlig
die
Zeit
schon
kurz
nach
22
Uhr.
Eigentlich
müssen
wir
jetzt
zur
S-Bahn.
Aber
die
beiden
Jungs
wollen
unbedingt
noch
ein
Überschlage
Dings
fahren.
Ein
langer
Arm
mit
einer
Gondel
dran,
die
dann
in
schwindelnder
Höhe
angehalten
wird.
Und
dann
hängt
jeder
kopfüber
und
schreiend
in
der
Halterung,
während
ihm
das
Kleingeld
aus
der
Tasche
in
die
Tiefe
fällt.
Das
ist
nix
für
mich,
da
schaue
ich
lieber
von
unten
zu.
Außerdem
wird
es
auch
langsam
Zeit
und
nicht
Drängler.
Ein
bisschen.
Und
deshalb
spurten
wir
auch
alle
sofort
los,
als
die
beiden
Jungs
johlend
aus
der
Gondel
taumeln.
Viele
Menschen
stehen
vor
diesem
Fahrgeschäft
und
ausgerechnet
uns,
die
wir
es
sichtlich
eilig
haben,
spricht
plötzlich
ein
Mann
an.
Er
will
wissen,
wie
die
denn
so
ist.
Diese
Schleuder
fragt
sogar
nochmal
nach.
Obwohl
er
ja
eigentlich
weiter
wollen.
Höchstens
10
Sekunden
hält
er
uns
auf.
Zehn
Sekunden.
Zehn
Sekunden,
die
uns
möglicherweise
gerettet
haben.
Hätte
es
diesen
Mann
nicht
gegeben,
hätte
er
uns
nicht
gestoppt,
hätte
er
uns
weiter
rennen
lassen.
Vermutlich
wären
meine
Freunde
und
ich
zwei
Minuten
später
tot
gewesen,
denn
wir
rennen
in
Richtung
Ausgang,
sind
nur
noch
wenige
Meter
entfernt
von
dem
großen
grünen
Haupttor,
das
zum
Oktoberfest
einlädt.
Es
sind
große
Holz
Säulen,
die
dicht
mit
Tannenzweigen
geschmückt
sind
und
nur
noch
dieses
Tor
liegt
zwischen
uns
und
dem
Papierkorb,
in
dem
genau
in
diesem
Moment
um
22
und
19
die
Bombe
hochgeht.
Ich
höre
nur
einen
lauten,
dumpfen
Knall.
Alle
Splitter,
die
in
unsere
Richtung
fliegen,
bleiben
in
diesen
Tannenzweigen
hängen.
Ich
bin
da
nicht
einmal
großartig
erschrocken,
eher
verwundert.
Was
passiert
hier
gerade?
Was
hier
los?
Wir
gehen
ein
paar
Schritte
weiter
durch
das
Tor
und
stehen
plötzlich
im
Chaos.
Überall
liegen
Menschen
wimmernd
am
Boden.
Andere
beugen
sich
über
sie
und
helfen
und
wieder
andere
laufen
fassungslos
herum.
Meine
Freundin
und
ich,
wir
gehen
nach
rechts
weg
vom
Papierkorb.
Dort
liegt
eine
junge
Frau
mit
kurzen,
blonden,
lockigen
Haaren
und
die
sich
noch
niemand
kümmert.
Der
Knall
der
Bombe
war
wohl
in
ganz
München
zu
hören.
Max
Josef
Strauß,
der
Sohn
des
damaligen
bayerischen
Ministerpräsidenten
Franz
Josef
Strauß,
ist
an
diesem
Abend
im
Elsen
Helmut
Keller,
einem
vain
lokal
in
München
bei
mir.
Die
allererste
Erinnerung
geht
zurück,
ich
durch
welchen
Zufall
auch
immer
den
Keller
in
der
Heyme
Straße,
indem
wir
damals
der
Versammlung
hatten,
gefeiert
haben.
das,
was
ich
mich
erinnern
kann,
ist
daran,
daß
ich
den
Keller
verlassen
habe,
und
das
ist,
daß
ich
einen
lauten
Knall
gehört
habe.
Ich
habe
jetzt
mal
in
Google
Maps
nachgeschaut,
eins
komma
sieben
Kilometer
Luftlinie
entfernt
vom
Tatort.
Ja,
man
hat
den.
Das
war
ein
richtig
durchdringender
Knall,
den
ich
zunächst
einmal
überhaupt
ohne
jede
Erfahrung
aus
irgendwelchen
Kriegen
ja
überhaupt
nicht
einordnen
konnte.
Den
Knall
im
Ohr.
Aber
ohne
eine
Ahnung,
was
da
knallte,
macht
Max
Josef
Strauß
sich
auf
den
Weg
zum
Flughafen
München,
damals
noch
Riem
mitten
in
der
Stadt
nicht
besonders
weit
zu
fahren.
Er
will
seinen
Vater
abholen.
Den
neuen
Münchner
Flughafen,
der
später
sogar
nach
seinem
Vater
benannt
werden
sollte,
gibt
es
noch
nicht.
Er
fährt
gemeinsam
mit
Personenschützern,
die
den
Ministerpräsidenten
und
seine
Familie
immer
begleiten.
Sein
Vater,
der
Ministerpräsident,
war
auf
Wahlkampftour
unterwegs
und
landete
mit
dem
Flugzeug
in
München.
dann
sehr
schnell
über
die
Beamten
erfahren,
dass
ihm
ein
Terroranschlag
passiert
sein
muss.
Habe
ich
dann
mit
meinem
Vater
telefoniert
und
ihn
am
Flughafen
abgeholt
und
bin
mit
ihm
an
den
Ort
des
Geschehens
gefahren
und
deutet
ein
Bild,
das
mit
schrillten
immer
noch
in
meinem
Ich.
Ich
habe
die
direkten
Opfer
nicht
mehr
gesehen,
die
waren
alle
schon
schon
weg.
Mein
Vater
war
auf
einer
Kundgebung
irgendwo
in
Deutschland
und
im
Flugzeug
an.
Und
das
heißt,
wir
waren.
Bei
uns
war
das
bestimmt.
Es
waren
drei,
vier
Stunden
später
als.
Mit
Schrecken
erinnere
ich
mich,
dass
ich
auf
den
Boden
geschaut
habe
und
alles
bedeckt
war
mit
Blut,
mit
getrockneten
Blut.
Es
war
noch.
hatte
diese
rötliche
Farbe,
die
getrocknetes
Blut.
Ein
paar
Stunden
nach
Eintrocknen
hatte.
Und
das
ist
ein
Bild,
das
mir
heute
noch
in
schrecklicher,
schrecklicher
Erinnerung
ist.
Das
Blut,
das
die
beiden
sahen,
gehörte
den
vielen
Opfern.
Der
Anschlag
forderte
13
Todesopfer.
221
Menschen
wurden
verletzt,
unter
ihnen
auch
die
blonde
junge
Frau,
die
sich
Stiletto
und
ihre
Freundin
kümmerten.
Gitti
heißt
sie,
sagt
sie
uns.
Ihr
Unterschenkel
blutet
ziemlich
stark.
Und
wir
reden
auf
ein,
um
sie
zu
beruhigen.
Wo
tut
es
denn
weh?
Keine
Angst.
Es
sind
ja,
da
kommt
auch
sicher
gleich
jemand.
Lauter
so
Zeugs,
das
mal
was
sagt.
Meine
Freundin
hält
Kopf.
Ich
kümmere
mich
um
das
verletzte
Bein.
In
alten
Western
Filmen
hab
ich
mal
gesehen,
dass
man
blutende
Arme
oder
Beine
fest
mit
einem
Gürtel
anbindet.
Ich
weiß
jetzt
nicht
mehr,
wo
ich
den
Gürtel
her
hab.
Ist
es
meiner
oder
der
meiner
Freundin?
Jedenfalls
lege
ich
ihnen
um
das
Bein
und
ziehe
fest
zu.
Später.
Als
ich
meinen
Führerschein
mache,
lerne
ich
im
Erste-Hilfe-Kurs,
dass
man
Arterien
besser
abdrücken
sollte.
Ich
hab
heute
noch
ein
schlechtes
Gewissen
und
hoffe,
dass
ich
damals
nichts
angerichtet
habe.
Genau
diese
Szene
wird
damals
zufällig
von
einem
Fotografen
festgehalten.
Das
Foto,
auf
dem
Juilliard
neben
der
verletzten
jungen
Frau
kniet
und
ihr
hilft,
sollte
genau
34
Jahre
später
wieder
auftauchen.
Auf
dem
Cover
eines
Buches
des
Autors
Ulrich
Chaussy
Marischka
hat
mich
eines
Tages
angerufen.
Ich
kannte
sie
nicht
und
hat
gesagt
Ich
bin
das
Mädchen,
das
auf
dem
Titelbild
ihres
Buches
zu
sehen
ist.
Sie
ist
da
bei
einer
Verletzten
unmittelbar
nach
der
Detonation.
Das
sind
die
Aufnahmen
des
Fotografen
Oswald
Baumeister,
der
an
diesem
Abend
zufällig
eine
neue
Kamera
und
neues
Filmmaterial
ausprobierte.
Und
dieses
Foto
hat
sie
auch
deswegen
zu
mir
geführt,
weil
sie
zuvor
eine
Dokumentation
im
Fernsehen
gesehen
hat,
die
ich
mit
Daniel
Harich
zusammen
produziert
habe.
Denn
auch
der
Journalist
Chaussy
beschäftigt
sich
seit
Jahren
mit
den
Hintergründen
des
Oktoberfestattentat.
Denn
bis
heute
ist
nicht
aufgeklärt,
wer
an
diesem
Anschlag
beteiligt
war
und
was
dahinter
steckte.
Während
wir
bei
Gitti
knien,
schaue
ich
mich
um.
Vier,
fünf
Meter
von
uns
entfernt
liegt
ein
zerfetzter
Körper.
Eigentlich
ist
es
nur
noch
ein
Rumpf
mit
einem
Bein.
Das
andere
Bein
und
die
Arme
sind
abgerissen.
Der
Kopf
lässt
sich
nur
erahnen.
Auch
Kleidung
erkenne
ich
keine
mehr.
Nur
noch
einen
schwarzen
Slip.
Ich
erschrecke
für
mich
selbst,
wie
kalt
mich
dieses
Bild
lässt.
Aber
es
passt
einfach
zu
der
ganzen
Situation,
zu
diesem
schrecklichen
Film,
in
dem
ich
gerade
mitspielen.
Später
erfahre
ich,
dass
es
Gundolf
Köhler
war,
der
Attentäter,
der
da
nackt
und
zerfetzt
vor
mir
im
Dreck
lag.
Seinen
Namen
höre
ich
zum
ersten
Mal
auf
einer
Pressekonferenz
am
nächsten
Tag
von
bundeseigene
Anwalt
Trettmann.
Nach
den
bisherigen
Ermittlungen
kommt
als
Täter
der
21
jährige
Theologiestudent
Gundolf
Köhler
aus
Donaueschingen
in
Betracht.
Er
kam
bei
dem
Attentat
ums
Leben.
Seine
Verletzungen
nämlich
wurden
beide
Arme
abgerissen.
Er
hat
erhebliche
Verletzungen
im
Brust
und
im
Bauchbereich.
Er
hat
das
Haupthaar
lassen,
darauf
schließen,
dass
er
sich
bei
der
Explosion
der
Bombe
in
deren
unmittelbarer
Nähe
befunden
hat.
Wir
gehen
davon
aus,
dass
die
Bombe
zu
früh
gezündet
worden
ist.
Anhaltspunkte
dafür,
dass
Köhler
Selbstmord
begehen
wollte
oder
begangen
hat,
liegen
nicht
vor.
Wir
nehmen
nicht
an,
beim
gegenwärtigen
Stand
der
Ermittlungen,
dass
Köhler
als
allein
Täter
gehandelt
hat.
Gemessen
an
dem,
was
später
in
einem
ersten
Ermittlungsverfahren
und
viele
Jahre
später
nach
noch
einmal
akribischen
Ermittlungen
herauskam,
lag
der
damalige
Generalbundesanwalt
Kurt
Rebmann
unmittelbar
nach
der
Tat
fast
schon
erschreckend
richtig.
Denn
viel
mehr
als
die
Fundstücke
vom
Tatort
und
erste
Tipps
von
hier
und
da
hatten
die
Ermittler
zu
diesem
Zeitpunkt
noch
nicht,
was
man
sehr
schnell
herausfand.
Köhler
war
Rechtsextremist.
Er
hatte
Kontakt
zur
Wehrsportgruppe
Hoffmann
und
deren
Chef
Karl-Heinz
Hoffmann.
Orin.
Werden
wir
später
noch
befragen.
Denn
das
ist
mehr
oder
weniger
der
Stand
bis
heute.
Ein
Gerichtsverfahren
wegen
des
Anschlags
gab
es
nie.
Niemand
wurde
dafür
verurteilt.
Trotz
aller
Mühen.
Wer
baute
die
Bombe?
War
das
wirklich
Köhler
selbst?
Woher
hatte
er
dann
die
Chemikalien?
Was
für
einen
Zünder
verwendete
er
dazu?
Weiß
auch
heute,
40
Jahre
später,
niemand
etwas
Handfestes.
Irgendwann
kommen
Sanitäter
und
übernehmen
sie,
kümmern
sich
um
&gt.
Und
tragen
sie
fort.
Plötzlich
steh
ich
alleine
da.
Meine
Freundin
ist
verschwunden
und
die
beiden
Jungs
hab
ich
seit
dem
Knall
auch
nicht
mehr
gesehen.
Ich
gehe
über
den
Platz.
Inzwischen
hat
die
Polizei
diesen
ganzen
Wisen
Eingang
rundherum
mit
einem
rot
weißen
Plastikplane
abgesperrt.
Außen
stehen
Schaulustige
und
beobachten,
was
in
dem
Kreis
alles
passiert.
Und
ich
bin
ihnen.
Die
Polizei,
die
den
Tatort
absperrt,
war
sehr
nervös
an
diesem
Abend.
Verständlicherweise
fiel
der
Anschlag
doch
in
eine
politisch
spannende
Zeit.
Wenige
Tage
später
stand
eine
Bundestagswahl
an.
Die
Oktoberfest
Bombe
explodierte
mitten
in
der
heißen
Schlussphase
des
Wahlkampfs.
Helmut
Schmidt
gegen
Franz
Josef
Strauß.
Schmidt
von
der
SPD
war
Kanzler
Strauß.
Der
bayerische
Ministerpräsident
wollte
ihn
ablösen.
Das
Motto
des
CSU-Politikers
Freiheit
statt
Sozialismus.
Das
Klima
war
aufgeheizt.
Das
Attentat,
die
Oktoberfest,
Bombe
und
damit
die
innere
Sicherheit
war
sofort
auch
Streitthema
im
Wahlkampf.
Auf
der
einen
Seite
Franz
Josef
Strauß,
teils
gegen
Helmut
Schmidt
und
seinen
Innenminister
aus.
Meine
sehr
verehrten
Damen
und
Herren,
es
ist
auch
bezeichnend,
daß
Bundeskanzler
Schmidt
nicht
in
der
Lage
ist,
diesen
Innenminister
loszuwerden.
Er
hatte
so
viel
Schwierigkeiten
mit
der
eigenen
Partei,
und
er
weiß
nicht,
ob
er
abwechselnd
wie
schnell,
von
links
nach
rechts
und
von
rechts
nach
links
und
gelegentlich
über
die
Mitte
wieder
seine
Position
wechseln
soll,
um
die
zusammenzuhalten.
Mit
der
Koalitionspartner
FDP
dann
überhaupt
nicht
mehr
fertig.
Wenn
man
Schmidt
wirklich
ein
Mann
wäre,
der
entscheiden
kann,
OnePlus
über
Krieg
oder
Frieden
falsche
Alternativen
aufstellen
und
alle
und
alle
Verantwortlichen
der
Welt
mit
seinen
nicht
gefragten
Ratschlägen
überziehen
will.
Er
soll
zu
Hause
einmal
die
Entscheidungen
treffen
und
die
erste
und
wichtigste
Entscheidung
wäre,
diesen
Innenminister
zum
Teufel
zu
hauen.
Auf
der
anderen
Seite
Helmut
Schmidt.
Der
Kanzler
kalt
gegen
Strauß
zurück.
Zu
Beginn
der
heutigen
Veranstaltung
ist
mit
Recht
der
Toten
und
der
Opfer
in
München
gedacht
worden
und
der
Verletzten,
die
im
Krankenhaus
um
ihr
Leben
ringen,
unter
Angehörigen.
Gleichzeitig
hat,
ehe
noch
die
Trauerfeier
stattgefunden
haben,
gestern
der
bayerische
Ministerpräsident
in
der
Zeitung
Bild
am
Sonntag
dazu
ein
Interview
gegeben.
Dort
wird
er
gefragt
den
Umständen
dieses
Verbrechens.
Und
dann
antwortet
Herr
Strauß
Der
Bundesinnenminister
hat
schwere
Schuld
auf
sich
geladen
durch
ständige
Verunsicherung
und
Demoralisierung
der
Sicherheitsdienste.
Daß
ausgerechnet
derjenige,
der
wenige
Tage
zuvor,
weil
ihnen
nicht
passte,
das
in
München
auf
dem
Marienplatz
Plakate
aufgestellt
waren,
die
ihn
angriffen,
der
dort
einen
Polizeibeamten
zur
Sau
gemacht
hat,
der
dann
innerhalb
weniger
Minuten
abgelöst
wurde
als
Polizei
und
Einsatzleiter.
Ausgerechnet
der
redet
von
Verunsicherung
der
Polizei.
Ausgerechnet
der
Ministerpräsident
des
Freistaats
Bayern,
dessen
Landesregierung
sich
zwei
Jahre
lang
gewehrt
hat,
die
Wehrsportgruppe
Hoffmann
zu
verbieten.
Der
Bundesinnenminister
schließlich
hatte
Anfang
dieses
Jahres
dieses
Verbot
ausgesprochen.
Überraschend
schnell
wurden
die
Ermittlungen
eingestellt
und
auch
der
Bundesanwalt
änderte
seine
Einschätzung.
Am
Anfang
hatte
er
gesagt,
die
Bombe
legte
Gundolf
Köhler,
aber
er
sei
kein
Einzeltäter
gewesen.
Da
habe
es
Hintermänner
gegeben.
Das
war
am
Anfang.
Dann
aber
hieß
es
Da
waren
keine
Hintermänner.
Gundolf
Köhler
habe
alles
allein
gemacht,
den
Plan
geschmiedet,
die
Bombe
gebaut,
den
Anschlag
verübt,
sich
selbst
versehentlich
mit
in
die
Luft
gesprengt.
Zufällig
eine
Woche
vor
der
Bundestagswahl.
Das
wollten
viele
nicht
glauben.
Einer
von
ihnen,
der
Münchner
Rechtsanwalt
Werner
Dietrich
Dietrich,
ist
die
Hauptfigur
in
dem
Krimi,
der
nach
dem
Anschlag
begann
und
in
dem
es
um
Pannen
und
Skandale
bei
den
Ermittlungen
geht
und
der
im
Grunde
bis
heute
nicht
beendet
ist.
Richtig
befasst
damit
habe
ich
mich
seit
Oktober
1982,
als
zwei
Mandate
zu
mir
in
die
Kanzlei
kam.
Es
waren
zwei
Geschädigte,
Frau
Martinez
und
die
Familie
Platzer,
die
zwei
Kinder
verloren
hatte.
Die
hatten
gehört,
dass
die
Bundesanwaltschaft
die
Ermittlungen
einstellen
wollte
und
dass
die
Bayern
schon
im
Mai
81
das
bayerische
LKA
nicht
mehr
weiter
ermittelt
hatte,
weil
sie
sagten
Gundolf
Köhler
war
Einzeltäter
und
der
hieß
Tod.
Und
das
war
dem
die
Sache
zu
Ende.
Mit
diesem
billigen
und
wie
sie
es
empfunden
haben
makabren
Ergebnis
wollen
sie
sich,
wollten
sie
sich
nicht
abfinden.
Und
seit
der
Zeit,
also
seit
38
Jahren,
bin
ich
an
dem
Fall
dran,
mit
allen
Höhen
und
Tiefen
und
mal
intensiver,
mal
weniger.
Aber
der
war
nie
bei
mir
beendet.
Oder
er
hat
mich
auch
mein
Leben
beim
Berufsleben
nicht
losgelassen.
Der
Anwalt
recherchierte.
Eine
Bombe
war
explodiert.
Vor
der
Münchner
erwiesen.
Um
22
Uhr
19
am
Wochenende,
als
es
Knall
voll
war,
als
Tausende
von
der
Theresienwiese
Richtung
Bahn
strömten.
Eine
Woche
vor
der
Bundestagswahl,
also
genau
da
explodierte
die
Bombe.
Das
soll
Zufall
gewesen
sein?
Es
scheint,
als
verstehe
man
immer
weniger.
Je
mehr
Zeit
danach
vergeht,
je
mehr
die
Ermittler
ermitteln
und
Journalisten
recherchieren.
Irgendwas
haut
da
nicht
hin.
Dachte
sich
Rechtsanwalt
Dietrich.
Und
denkt
er
sich
bis
heute?
Ja,
ich
hatte
am
Anfang
schon
mal
den
Verdacht,
wo
ich
mich
gefragt
hab
Wie
kann
es
bei
so
einer
Tat
mit
13
Toten
und
200
21
Verletzten
sind
es
ja
inzwischen
passieren,
dass
bereits
nach
acht
Monaten
die
Ermittlungen
praktisch
zum
Erliegen
kommen,
ohne
dass
man
irgendetwas
rausbekommen
hat.
Und
sogar
mit
der
expliziten
These,
wie
es
das
LKA
in
Bayern
genannt
hat,
Gundolf
Köhler
sei
es
gewesen,
und
zwar
alleine,
hätte
er
die
Tat
alleine
geplant,
die
Bombe
gebaut,
nach
München
gefahren
und
dann
sei
beim
Legen
der
Bombe
etwas
schief
gelaufen.
Das
Motiv
war
privat
individuell,
nämlich
wie
es
immer
bei
Rechten
ist,
Probleme
mit
Frauen
und
Mädchen.
Und
bei
ihm
kam
noch
hinzu
angeblich
ein
negativer
Bescheid
der
Universität
Tübingen,
dass
er
ein
Seminar
nicht
bestanden
hat.
Das
soll
der
Auslöser
gewesen
sein,
die
schon
vorher
präparierte
und
fertiggestellte
Bombe
zu
packen,
ins
Auto
von
Donaueschingen
nach
München
zu
fahren
und
die
Bombe
dann
in
München
zu
legen.
Allein
von
diesem
Szenario
her
kam
mir
das
äußerst
verdächtig
vor.
Hab
ich
das
nicht
geglaubt?
Der
Anwalt
besorgt
sich
die
Akten.
Sein
Augenmerk
liegt
auf
dem
Attentäter
und
der
Bombe,
die
der
Student
aus
Donaueschingen
in
Eigeninitiative
gebaut
haben
soll,
wo
er
beispielsweise
den
Zünder
her
hatte
oder
wo
er
die
englische
Mörsergranaten
Baujahr
1955
her
hatte,
weiß
man
im
Detail
nicht.
Man
weiß
nur,
dass
er
sie
gehabt
hat
und
dass
er
in
der
Lage
war,
sie
zu
bauen.
Und
die
Bombe
war
ja
ummantelt
mit
einem
Feuerlöscher.
Und
zwischen
Bomben,
Aussenseite
und
Feuerlöscher
waren
ja
noch
Metall,
Splitter
und
dergleichen,
damit
eine
möglichst
große,
verheerende
Wirkung
erzielt
werden
konnte,
die
sich
noch
verstärkt
hat
dadurch,
dass
er
die
Bombe
in
einem
Metall
Abfalleimer
getan
hat,
sodass
diese
Metallteile
eben
noch
dazukam.
Ein
Tipp
führte
die
Ermittler
damals
zu
einem
Neonazi
namens
Heinz
Lembke.
Der
hortete
Sprengstoff.
Die
Polizei
durchsuchte
sein
Haus
in
der
Lüneburger
Heide
in
Niedersachsen,
fand
aber
nur
ein
leeres
Gewehr
Magazin
und
eine
Zündschnur.
Dann
aber
stieß
ein
Waldarbeiter
aus
Ölziehen
auf
eine
vergrabene
Kiste.
Er
holte
die
Polizei,
die
entdeckte
noch
viele
weitere
Kisten
mit.
Waffen,
Munition
und
tonnenweise
Sprengstoff.
Wie
sich
herausstellte,
gehörten
sie
Lembke
Land
gestellt
in
Aussicht.
Gegenüber
der
Bundesanwaltschaft
umfassend
auszusagen.
Am
ersten
November
1981,
einen
Tag
vor
seiner
Vernehmung
durch
einen
Staatsanwalt,
wurde
er
jedoch
mit
einem
Kabel
erhängt
in
seiner
Gefängniszelle
aufgefunden.
Er
hatte
einen
handschriftlichen
Abschiedsbrief
hinterlassen
mit
dem
Vermerk
Es
ist
Wolfs
Zeit.
Ein
Ausdruck
der
rechtsradikalen
Szene
für
die
Stunde
Null.
Die
Ermittlungen
wurden
eingestellt
und
in
den
Akten
zum
Oktoberfestattentat
steht
der
Vermerk
Erkenntnisse
über
Lembke
sind
nur
zum
Teil
gerichts
verwertbar.
Solche
Vermerke
kommen
normalerweise
nur
bei
V-Leuten
oder
Mitarbeitern
von
Geheimdiensten
vor.
Damals
war
es
für
mich
natürlich
zunächst
mal
nicht
plausibel,
dass
ein
Geologie
der
Student
eine
relativ
kompliziert
zu
bauende
Bombe
allein
in
seinem
Keller
zuhause
ohne
fremde
Hilfe
gebaut
haben
kann.
Heute
wissen
wir
aus
den
jetzt
aufgenommenen
Ermittlungen,
dass
er
durchaus
mit
Bekannten
im
Ausland
war,
insbesondere
in
der
Schweiz,
um
sich
dort
Sprengstoff
zu
besorgen,
auch
Anleitungen
zum
Bombenbau.
Und
wir
wissen
auch
das
wussten
wir
damals
auch
nicht,
dass
z.B.
ein
Bruder
von
ihm,
der
Chemiker
ist,
ihn
sozusagen
eingeführt
hat
in
die
Grundkenntnisse
der
Chemie.
Ich
sage
nicht,
dass
der
Bruder
Mittäter
bei
der
Tat
war,
aber
er
hat
Köhler
Kenntnisse
beigebracht,
die
dazu
geführt
haben
können,
dass
er
die
Bombe
allein
gebaut
hat.
Davon
geht
inzwischen
auch
die
Bundesanwaltschaft
aus.
Dass
diese
durchaus
komplizierte
Bombe
von
Köhler
mit
diesen
Vorkenntnissen
und
mit
den
Ingredienzien,
die
er
da
im
Keller
bei
sich
hatte,
gebaut
werden
konnte.
Aber
warum?
Warum
soll
er
das
getan
haben?
Es
war
ja
nicht
so
wie
bei
sonstigen
terroristischen
Taten,
dass
sich
das
gegen
eine
bestimmte
Gesellschaftsgruppe
oder
Bevölkerungsgruppe
richtet,
also
Ausländer
oder
Linke
oder
so.
.
Wir
haben
hier
nicht
dieses,
was
man
normalerweise
Opfer
Identität
nennt,
sondern
das
war
eine
die
Wahllosigkeit
oder
die
Masse
der
Opfer.
Die
sollte
es
in
diesem
Fall
bringen,
sollte
die
Leute
dazu
bringen,
die
Verhältnisse
hier
abzulehnen
und
eine
eine
Bereitschaft
zu
einer
autoritären
politischen
Lösung.
Das
war
das
Ziel,
was
insgesamt
auch
bei
den
europäischen
Rechten
damals
diskutiert
wurde
in
Italien,
in
Frankreich,
auch
in
Belgien.
Und
dass
ein
Teil
dieser
Rechten
wollte
das
eben
mit
solchen
terroristischen
Attentaten,
sozusagen
die
Bereitschaft
in
der
Bevölkerung,
sich
zu
öffnen
für
solchen
gewaltsamen
Umsturz
herbeibomben.
Das,
das
war
das
Ziel
von
Gundolf
Köhler,
die
Stimmung
zum
Umsturz
herbeibomben,
sagt
Anwalt
Dietrich.
Ein
politischer
Zusammenhang,
ein
politisches
Motiv,
so
kann
man
das
wohl
sehen.
Und
damit
liegt
dann
auch
nahe,
dass
Köhler
eben
nicht
allein
handelte,
sondern
dass
da
jemand
mitmischte.
Wer
auch
immer.
Ich
hatte
neben
dem
juristischen
Interesse
auch
ein
zeitgeschichtliches
Interesse,
weil
ich
auch
Politologe
und
Historiker
bin
und
deswegen
mich
das
auch
interessiert
hat
und
ich
auch
gleich
den
Zugang
hatte
und
gesehen.
Das
ist
ja
zehn
Tage
vor
der
Bundestagswahl.
Schmidt
Gegen
Strauß,
Freiheit
gegen
Sozialismus
passiert
und
ich
sowieso
nicht
geglaubt
habe,
dass
Köhler
das
allein
gemacht
hat
und
gewesen
ist
und
auch
nicht,
dass
er
privat
individuelle
Motive
hatte.
Das
war
damals
durchaus
üblich
bei
den
gewaltbereiten
europäischen
Rechtsradikalen,
dass
die
Attentate
mit
Breitenwirkung,
also
mit
vielen
Toten,
begangen
haben.
Sechs
Wochen
vor
dem
Münchner
Attentat
war
ja
das
in
Bologna
gewesen,
mit
über
80
Toten.
Und
das
habe
ich
in
dieser
Konstellation
eben
auch
gesehen.
In
unserem
abgesperrten
Bereich
vor
dem
Haupteingang
haben
sich
lauter
kleine
Menschen
Inseln
gebildet,
Sanitäter
und
andere
Wisen,
Besucher,
die
wie
ich
zufällig
mitten
im
Alptraum
gelandet
sind
und
sich
jetzt
um
die
Opfer
am
Boden
kümmern.
Ich
gehe
herum
und
schaue,
ob
ich
noch
irgendwo
helfen
kann,
aber
da
scheint
irgendwie
jeder
versagt
zu
sein.
Plötzlich
trete
ich
auf
etwas
Weiches.
Ich
kann
es
heute
noch
unter
meinem
Fuß
spüren,
wenn
ich
dran
denke.
Damals
in
den
80ern
trägt
man
als
Jugendlicher
ja
noch
keine
Tracht.
Wenn
man
auf
die
Wiesen
geht.
Ich
habe
Jeans
an
eine
weite
blaue
Jacke
mit
dicken
Schulterpolster.
Und
Kollege
Schuhe,
das
sind
dunkelblaue,
flache,
bequeme
Schuhe
mit
glatter
Sohle.
Und
mit
dieser
glatten
Sohle
rutschig
auf
irgendetwas
Weichem,
Glitschigen
aus.
Ich
schaue
runter
und
sehe
auf
dem
Kopfsteinpflaster
einen
kleinen
Fetzen
Fleisch
mit
einem
Finger
dran.
Auch
das
löst
bei
mir
erstaunlicherweise
keine
großen
Emotionen
aus.
Noch
nicht
mal
Ekel.
Fleisch,
Stückchen
und
zerfetzte
Körper
haben
halt
keine
Schmerzen
mehr.
Es
sind
nur
noch
abstrakte
Dinge.
Die
Sache
mit
dem
abgetrennten
Finger
zieht
Kreise.
Allerdings
erst
viel
später,
2014,
als
Judith
das
Foto
mit
sich
auf
dem
Buchtitel
sieht
und
sich
bei
dem
Autor
Ulrich
Chaussy
meldet.
Und
das
hat
die
Julliard
Marischka
sehr
umgetrieben.
Weil
sie
nämlich,
als
sie
ihre
Hilfeleistung
an
der
Verletzten
hier,
als
sie
damit
fertig
war,
die
von
den
Sanitätern
weggebracht
war,
ging
sie
noch
ein
bißchen
umeinander
und
hat
einen
Finger,
einen
einzelnen
Finger
Teil
völlig
zerfetzt
gefunden.
Für
den
Journalisten
Chaussy
eine
spannende
Information.
Am
Tatort
war
nämlich
eine
Hand
gefunden
worden.
Es
gab
Zeugenaussagen
und
Obduktionsbericht,
wie
Attentäter
Köhler
die
Bombe
gehalten
haben
musste.
Demnach
konnte
es
nicht
die
Hand
des
Attentäters
sein.
Seine
Hände
mussten
durch
die
Detonation
vollständig
zerstört
sein.
Doch
wem
gehörte
dann
diese
Hand?
Womöglich
einem
zweiten
Mann,
der
sich
kurz
vor
dem
Attentat
mit
Köhler
gestritten
hatte
und
zusammen
mit
ihm
am
Tatort
gesehen
wurde?
Jahre
später
gab
es
nun
die
Möglichkeit,
dies
auch
zu
beweisen.
Ob
Hand
und
Finger
zu
Köhler
gehörten
oder
ob
auch
vor
Ort
Helfer
und
Mittäter
waren.
So
ging
das
ganz
los.
Eigentlich
in
einer
späteren
Phase
meiner
meiner
Recherchen
nach
dem
Buch
von
1980
in
meinen
vielen
Rundfunk
Berichten
habe
ich
im
Jahr
2006
an
die
damalige
Generalbundesanwalt
geschrieben
und
habe
gesagt
Liebe
Frau
Harms,
bitte
untersuchen
Sie
doch
nochmal
diese
Hand.
Und
wenn
es
tatsächlich
stimmt,
dass
diese
Hand
Zero
logisch
nicht
zu
Köhler
passt,
kann
es
keine
Einzeltat
gewesen
sein.
Wenn
sich
die
damals
geirrt
haben.
Ja,
dann
vielleicht
doch.
Aber
man
kann
ja
heute
mit
der
DNA
einen
viel
genaueren
Abgleich
machen,
zu
wem
dieses
Körperteil
passt.
Naja,
ein
paar
Wochen
später
kam
dann
der
Brief
von
der
Bundesanwaltschaft.
Diese
ganzen
Reservate
gibt's
nicht
mehr.
Es
wird
also
nie
geklärt
werden,
wem
diese
Hand
gehörte.
Jahre
später
meldete
sich
eine
Krankenschwester
aus
Hannover
als
Zeugin.
Ihr
Sohn
hatte
den
Spielfilm
Der
blinde
Fleck
im
Fernsehen
gesehen.
Ein
Film
über
das
Oktoberfestattentat
von
Ulrich
Chaussy.
Sie
erinnerte
sich
an
einen
Mann,
der
damals
bei
ihr
in
Hannover
in
der
Klinik
gewesen
sei.
Unweit
des
Waffenhändler
aus
Niedersachsen.
Dem
Patienten
habe
eine
Hand
gefehlt,
und
jetzt
habe
sie
durch
den
Film
mitbekommen,
dass
eine
Hand
am
Tatort
gefunden
wurde.
Die
Zeugin
wörtlich
Er
hatte
ein
Strahlen
im
Gesicht.
Ich
war
völlig
irritiert.
Er
hat
nicht
viel
geredet
und
noch
nicht
erzählt,
was
ihm
passiert
war.
Zudem
seien
seltsame
Männer
zu
Besuch
in
die
Klinik
gekommen
und
der
Mann
ohne
Hand
sei
irgendwann
plötzlich
verschwunden,
bevor
seine
Behandlung
abgeschlossen
war.
Die
Bundesanwaltschaft
ging
dem
Hinweis
nach,
ebenfalls
ohne
Ergebnis.
Die
Hand
war
nicht
das
einzige
Beweisstück,
das
den
Ermittlern
abhanden
kam.
Hat
sich
da
jemand
bemüht,
Spuren
zu
verwischen?
Jemand,
der
mächtig
genug
war
und
dazu
in
der
Lage?
Jemand,
der
nicht
wollte,
dass
die
Hintergründe
aufgeklärt
werden.
Jemand,
der
nicht
wollte,
dass
Hintermänner
Köhlers
gefunden
werden?
Und
was
hat
Karl-Heinz
Hoffmann,
der
Gründer
der
Wehrsportgruppe
Hoffmann,
mit
dem
Attentat
zu
tun?
Jeder
wusste
doch,
dass
mir
die
Demokratie
sozusagen
am
Arsch
vorbeigeht.
Das
alles
in
Episode
2
Geheime
Akte
Oktoberfestattentat
Ein
Podcast
von
Antenne
Bayern
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und
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auf
Antenne
D
und
überall,
wo
es
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Eine gewaltige Explosion reißt 13 Menschen in den Tod. Also wenn ich damals nicht etwas länger vor so einem wilden Karussell stehengeblieben wäre, dann wäre ich möglicherweise nicht mehr am Leben. Mein Name ist duelliert, Marischka. Ich arbeite bei Antenne Bayern in der Nachrichtenredaktion und das Oktoberfestattentat ist auch Teil meiner ganz persönlichen Geschichte rechtsextremer Terror auf der Theresienwiese. Die Bilder von damals bleiben immer in meinem Kopf. Heute, vier Jahrzehnte später, gibt es noch immer unzählige Fragen. Ich bin Christoph Lemmer. Ich begleite durch diesen Podcast und begebe mich auf Spurensuche, denn es wurden Beweise vernichtet und Zeugen ignoriert. Was wussten Geheimdienste und Spitzenpolitiker? Der schwerste Anschlag in der Geschichte der Bundesrepublik 40 Jahre. Ein trauriger Jahrestag. Geheimakten Oktoberfestattentat. Ein Podcast von Antenne Bayern. Episode 1. Freitag, der 26. September 1980. Wie lange ist das schon wieder her? Und trotzdem sehe ich einige Bilder noch ganz genau in meinem Kopf. Meine Eltern haben mir erlaubt, abends mit drei Freunden auf die Wiesen zu gehen. Ausnahmsweise war Jungs dabei sind die auf meine Freundin aufpassen. Falls uns irgendwelche Betrunkene anpöbeln. Ich muss aber versprechen, pünktlich um halb zwölf zu Hause zu sein. Sein lustiger Abend. Mir fiel natürlich völlig die Zeit schon kurz nach 22 Uhr. Eigentlich müssen wir jetzt zur S-Bahn. Aber die beiden Jungs wollen unbedingt noch ein Überschlage Dings fahren. Ein langer Arm mit einer Gondel dran, die dann in schwindelnder Höhe angehalten wird. Und dann hängt jeder kopfüber und schreiend in der Halterung, während ihm das Kleingeld aus der Tasche in die Tiefe fällt. Das ist nix für mich, da schaue ich lieber von unten zu. Außerdem wird es auch langsam Zeit und nicht Drängler. Ein bisschen. Und deshalb spurten wir auch alle sofort los, als die beiden Jungs johlend aus der Gondel taumeln. Viele Menschen stehen vor diesem Fahrgeschäft und ausgerechnet uns, die wir es sichtlich eilig haben, spricht plötzlich ein Mann an. Er will wissen, wie die denn so ist. Diese Schleuder fragt sogar nochmal nach. Obwohl er ja eigentlich weiter wollen. Höchstens 10 Sekunden hält er uns auf. Zehn Sekunden. Zehn Sekunden, die uns möglicherweise gerettet haben. Hätte es diesen Mann nicht gegeben, hätte er uns nicht gestoppt, hätte er uns weiter rennen lassen. Vermutlich wären meine Freunde und ich zwei Minuten später tot gewesen, denn wir rennen in Richtung Ausgang, sind nur noch wenige Meter entfernt von dem großen grünen Haupttor, das zum Oktoberfest einlädt. Es sind große Holz Säulen, die dicht mit Tannenzweigen geschmückt sind und nur noch dieses Tor liegt zwischen uns und dem Papierkorb, in dem genau in diesem Moment um 22 und 19 die Bombe hochgeht. Ich höre nur einen lauten, dumpfen Knall. Alle Splitter, die in unsere Richtung fliegen, bleiben in diesen Tannenzweigen hängen. Ich bin da nicht einmal großartig erschrocken, eher verwundert. Was passiert hier gerade? Was hier los? Wir gehen ein paar Schritte weiter durch das Tor und stehen plötzlich im Chaos. Überall liegen Menschen wimmernd am Boden. Andere beugen sich über sie und helfen und wieder andere laufen fassungslos herum. Meine Freundin und ich, wir gehen nach rechts weg vom Papierkorb. Dort liegt eine junge Frau mit kurzen, blonden, lockigen Haaren und die sich noch niemand kümmert. Der Knall der Bombe war wohl in ganz München zu hören. Max Josef Strauß, der Sohn des damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß, ist an diesem Abend im Elsen Helmut Keller, einem vain lokal in München bei mir. Die allererste Erinnerung geht zurück, ich durch welchen Zufall auch immer den Keller in der Heyme Straße, indem wir damals der Versammlung hatten, gefeiert haben. das, was ich mich erinnern kann, ist daran, daß ich den Keller verlassen habe, und das ist, daß ich einen lauten Knall gehört habe. Ich habe jetzt mal in Google Maps nachgeschaut, eins komma sieben Kilometer Luftlinie entfernt vom Tatort. Ja, man hat den. Das war ein richtig durchdringender Knall, den ich zunächst einmal überhaupt ohne jede Erfahrung aus irgendwelchen Kriegen ja überhaupt nicht einordnen konnte. Den Knall im Ohr. Aber ohne eine Ahnung, was da knallte, macht Max Josef Strauß sich auf den Weg zum Flughafen München, damals noch Riem mitten in der Stadt nicht besonders weit zu fahren. Er will seinen Vater abholen. Den neuen Münchner Flughafen, der später sogar nach seinem Vater benannt werden sollte, gibt es noch nicht. Er fährt gemeinsam mit Personenschützern, die den Ministerpräsidenten und seine Familie immer begleiten. Sein Vater, der Ministerpräsident, war auf Wahlkampftour unterwegs und landete mit dem Flugzeug in München. dann sehr schnell über die Beamten erfahren, dass ihm ein Terroranschlag passiert sein muss. Habe ich dann mit meinem Vater telefoniert und ihn am Flughafen abgeholt und bin mit ihm an den Ort des Geschehens gefahren und deutet ein Bild, das mit schrillten immer noch in meinem Ich. Ich habe die direkten Opfer nicht mehr gesehen, die waren alle schon schon weg. Mein Vater war auf einer Kundgebung irgendwo in Deutschland und im Flugzeug an. Und das heißt, wir waren. Bei uns war das bestimmt. Es waren drei, vier Stunden später als. Mit Schrecken erinnere ich mich, dass ich auf den Boden geschaut habe und alles bedeckt war mit Blut, mit getrockneten Blut. Es war noch. hatte diese rötliche Farbe, die getrocknetes Blut. Ein paar Stunden nach Eintrocknen hatte. Und das ist ein Bild, das mir heute noch in schrecklicher, schrecklicher Erinnerung ist. Das Blut, das die beiden sahen, gehörte den vielen Opfern. Der Anschlag forderte 13 Todesopfer. 221 Menschen wurden verletzt, unter ihnen auch die blonde junge Frau, die sich Stiletto und ihre Freundin kümmerten. Gitti heißt sie, sagt sie uns. Ihr Unterschenkel blutet ziemlich stark. Und wir reden auf ein, um sie zu beruhigen. Wo tut es denn weh? Keine Angst. Es sind ja, da kommt auch sicher gleich jemand. Lauter so Zeugs, das mal was sagt. Meine Freundin hält Kopf. Ich kümmere mich um das verletzte Bein. In alten Western Filmen hab ich mal gesehen, dass man blutende Arme oder Beine fest mit einem Gürtel anbindet. Ich weiß jetzt nicht mehr, wo ich den Gürtel her hab. Ist es meiner oder der meiner Freundin? Jedenfalls lege ich ihnen um das Bein und ziehe fest zu. Später. Als ich meinen Führerschein mache, lerne ich im Erste-Hilfe-Kurs, dass man Arterien besser abdrücken sollte. Ich hab heute noch ein schlechtes Gewissen und hoffe, dass ich damals nichts angerichtet habe. Genau diese Szene wird damals zufällig von einem Fotografen festgehalten. Das Foto, auf dem Juilliard neben der verletzten jungen Frau kniet und ihr hilft, sollte genau 34 Jahre später wieder auftauchen. Auf dem Cover eines Buches des Autors Ulrich Chaussy Marischka hat mich eines Tages angerufen. Ich kannte sie nicht und hat gesagt Ich bin das Mädchen, das auf dem Titelbild ihres Buches zu sehen ist. Sie ist da bei einer Verletzten unmittelbar nach der Detonation. Das sind die Aufnahmen des Fotografen Oswald Baumeister, der an diesem Abend zufällig eine neue Kamera und neues Filmmaterial ausprobierte. Und dieses Foto hat sie auch deswegen zu mir geführt, weil sie zuvor eine Dokumentation im Fernsehen gesehen hat, die ich mit Daniel Harich zusammen produziert habe. Denn auch der Journalist Chaussy beschäftigt sich seit Jahren mit den Hintergründen des Oktoberfestattentat. Denn bis heute ist nicht aufgeklärt, wer an diesem Anschlag beteiligt war und was dahinter steckte. Während wir bei Gitti knien, schaue ich mich um. Vier, fünf Meter von uns entfernt liegt ein zerfetzter Körper. Eigentlich ist es nur noch ein Rumpf mit einem Bein. Das andere Bein und die Arme sind abgerissen. Der Kopf lässt sich nur erahnen. Auch Kleidung erkenne ich keine mehr. Nur noch einen schwarzen Slip. Ich erschrecke für mich selbst, wie kalt mich dieses Bild lässt. Aber es passt einfach zu der ganzen Situation, zu diesem schrecklichen Film, in dem ich gerade mitspielen. Später erfahre ich, dass es Gundolf Köhler war, der Attentäter, der da nackt und zerfetzt vor mir im Dreck lag. Seinen Namen höre ich zum ersten Mal auf einer Pressekonferenz am nächsten Tag von bundeseigene Anwalt Trettmann. Nach den bisherigen Ermittlungen kommt als Täter der 21 jährige Theologiestudent Gundolf Köhler aus Donaueschingen in Betracht. Er kam bei dem Attentat ums Leben. Seine Verletzungen nämlich wurden beide Arme abgerissen. Er hat erhebliche Verletzungen im Brust und im Bauchbereich. Er hat das Haupthaar lassen, darauf schließen, dass er sich bei der Explosion der Bombe in deren unmittelbarer Nähe befunden hat. Wir gehen davon aus, dass die Bombe zu früh gezündet worden ist. Anhaltspunkte dafür, dass Köhler Selbstmord begehen wollte oder begangen hat, liegen nicht vor. Wir nehmen nicht an, beim gegenwärtigen Stand der Ermittlungen, dass Köhler als allein Täter gehandelt hat. Gemessen an dem, was später in einem ersten Ermittlungsverfahren und viele Jahre später nach noch einmal akribischen Ermittlungen herauskam, lag der damalige Generalbundesanwalt Kurt Rebmann unmittelbar nach der Tat fast schon erschreckend richtig. Denn viel mehr als die Fundstücke vom Tatort und erste Tipps von hier und da hatten die Ermittler zu diesem Zeitpunkt noch nicht, was man sehr schnell herausfand. Köhler war Rechtsextremist. Er hatte Kontakt zur Wehrsportgruppe Hoffmann und deren Chef Karl-Heinz Hoffmann. Orin. Werden wir später noch befragen. Denn das ist mehr oder weniger der Stand bis heute. Ein Gerichtsverfahren wegen des Anschlags gab es nie. Niemand wurde dafür verurteilt. Trotz aller Mühen. Wer baute die Bombe? War das wirklich Köhler selbst? Woher hatte er dann die Chemikalien? Was für einen Zünder verwendete er dazu? Weiß auch heute, 40 Jahre später, niemand etwas Handfestes. Irgendwann kommen Sanitäter und übernehmen sie, kümmern sich um &gt. Und tragen sie fort. Plötzlich steh ich alleine da. Meine Freundin ist verschwunden und die beiden Jungs hab ich seit dem Knall auch nicht mehr gesehen. Ich gehe über den Platz. Inzwischen hat die Polizei diesen ganzen Wisen Eingang rundherum mit einem rot weißen Plastikplane abgesperrt. Außen stehen Schaulustige und beobachten, was in dem Kreis alles passiert. Und ich bin ihnen. Die Polizei, die den Tatort absperrt, war sehr nervös an diesem Abend. Verständlicherweise fiel der Anschlag doch in eine politisch spannende Zeit. Wenige Tage später stand eine Bundestagswahl an. Die Oktoberfest Bombe explodierte mitten in der heißen Schlussphase des Wahlkampfs. Helmut Schmidt gegen Franz Josef Strauß. Schmidt von der SPD war Kanzler Strauß. Der bayerische Ministerpräsident wollte ihn ablösen. Das Motto des CSU-Politikers Freiheit statt Sozialismus. Das Klima war aufgeheizt. Das Attentat, die Oktoberfest, Bombe und damit die innere Sicherheit war sofort auch Streitthema im Wahlkampf. Auf der einen Seite Franz Josef Strauß, teils gegen Helmut Schmidt und seinen Innenminister aus. Meine sehr verehrten Damen und Herren, es ist auch bezeichnend, daß Bundeskanzler Schmidt nicht in der Lage ist, diesen Innenminister loszuwerden. Er hatte so viel Schwierigkeiten mit der eigenen Partei, und er weiß nicht, ob er abwechselnd wie schnell, von links nach rechts und von rechts nach links und gelegentlich über die Mitte wieder seine Position wechseln soll, um die zusammenzuhalten. Mit der Koalitionspartner FDP dann überhaupt nicht mehr fertig. Wenn man Schmidt wirklich ein Mann wäre, der entscheiden kann, OnePlus über Krieg oder Frieden falsche Alternativen aufstellen und alle und alle Verantwortlichen der Welt mit seinen nicht gefragten Ratschlägen überziehen will. Er soll zu Hause einmal die Entscheidungen treffen und die erste und wichtigste Entscheidung wäre, diesen Innenminister zum Teufel zu hauen. Auf der anderen Seite Helmut Schmidt. Der Kanzler kalt gegen Strauß zurück. Zu Beginn der heutigen Veranstaltung ist mit Recht der Toten und der Opfer in München gedacht worden und der Verletzten, die im Krankenhaus um ihr Leben ringen, unter Angehörigen. Gleichzeitig hat, ehe noch die Trauerfeier stattgefunden haben, gestern der bayerische Ministerpräsident in der Zeitung Bild am Sonntag dazu ein Interview gegeben. Dort wird er gefragt den Umständen dieses Verbrechens. Und dann antwortet Herr Strauß Der Bundesinnenminister hat schwere Schuld auf sich geladen durch ständige Verunsicherung und Demoralisierung der Sicherheitsdienste. Daß ausgerechnet derjenige, der wenige Tage zuvor, weil ihnen nicht passte, das in München auf dem Marienplatz Plakate aufgestellt waren, die ihn angriffen, der dort einen Polizeibeamten zur Sau gemacht hat, der dann innerhalb weniger Minuten abgelöst wurde als Polizei und Einsatzleiter. Ausgerechnet der redet von Verunsicherung der Polizei. Ausgerechnet der Ministerpräsident des Freistaats Bayern, dessen Landesregierung sich zwei Jahre lang gewehrt hat, die Wehrsportgruppe Hoffmann zu verbieten. Der Bundesinnenminister schließlich hatte Anfang dieses Jahres dieses Verbot ausgesprochen. Überraschend schnell wurden die Ermittlungen eingestellt und auch der Bundesanwalt änderte seine Einschätzung. Am Anfang hatte er gesagt, die Bombe legte Gundolf Köhler, aber er sei kein Einzeltäter gewesen. Da habe es Hintermänner gegeben. Das war am Anfang. Dann aber hieß es Da waren keine Hintermänner. Gundolf Köhler habe alles allein gemacht, den Plan geschmiedet, die Bombe gebaut, den Anschlag verübt, sich selbst versehentlich mit in die Luft gesprengt. Zufällig eine Woche vor der Bundestagswahl. Das wollten viele nicht glauben. Einer von ihnen, der Münchner Rechtsanwalt Werner Dietrich Dietrich, ist die Hauptfigur in dem Krimi, der nach dem Anschlag begann und in dem es um Pannen und Skandale bei den Ermittlungen geht und der im Grunde bis heute nicht beendet ist. Richtig befasst damit habe ich mich seit Oktober 1982, als zwei Mandate zu mir in die Kanzlei kam. Es waren zwei Geschädigte, Frau Martinez und die Familie Platzer, die zwei Kinder verloren hatte. Die hatten gehört, dass die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen einstellen wollte und dass die Bayern schon im Mai 81 das bayerische LKA nicht mehr weiter ermittelt hatte, weil sie sagten Gundolf Köhler war Einzeltäter und der hieß Tod. Und das war dem die Sache zu Ende. Mit diesem billigen und wie sie es empfunden haben makabren Ergebnis wollen sie sich, wollten sie sich nicht abfinden. Und seit der Zeit, also seit 38 Jahren, bin ich an dem Fall dran, mit allen Höhen und Tiefen und mal intensiver, mal weniger. Aber der war nie bei mir beendet. Oder er hat mich auch mein Leben beim Berufsleben nicht losgelassen. Der Anwalt recherchierte. Eine Bombe war explodiert. Vor der Münchner erwiesen. Um 22 Uhr 19 am Wochenende, als es Knall voll war, als Tausende von der Theresienwiese Richtung Bahn strömten. Eine Woche vor der Bundestagswahl, also genau da explodierte die Bombe. Das soll Zufall gewesen sein? Es scheint, als verstehe man immer weniger. Je mehr Zeit danach vergeht, je mehr die Ermittler ermitteln und Journalisten recherchieren. Irgendwas haut da nicht hin. Dachte sich Rechtsanwalt Dietrich. Und denkt er sich bis heute? Ja, ich hatte am Anfang schon mal den Verdacht, wo ich mich gefragt hab Wie kann es bei so einer Tat mit 13 Toten und 200 21 Verletzten sind es ja inzwischen passieren, dass bereits nach acht Monaten die Ermittlungen praktisch zum Erliegen kommen, ohne dass man irgendetwas rausbekommen hat. Und sogar mit der expliziten These, wie es das LKA in Bayern genannt hat, Gundolf Köhler sei es gewesen, und zwar alleine, hätte er die Tat alleine geplant, die Bombe gebaut, nach München gefahren und dann sei beim Legen der Bombe etwas schief gelaufen. Das Motiv war privat individuell, nämlich wie es immer bei Rechten ist, Probleme mit Frauen und Mädchen. Und bei ihm kam noch hinzu angeblich ein negativer Bescheid der Universität Tübingen, dass er ein Seminar nicht bestanden hat. Das soll der Auslöser gewesen sein, die schon vorher präparierte und fertiggestellte Bombe zu packen, ins Auto von Donaueschingen nach München zu fahren und die Bombe dann in München zu legen. Allein von diesem Szenario her kam mir das äußerst verdächtig vor. Hab ich das nicht geglaubt? Der Anwalt besorgt sich die Akten. Sein Augenmerk liegt auf dem Attentäter und der Bombe, die der Student aus Donaueschingen in Eigeninitiative gebaut haben soll, wo er beispielsweise den Zünder her hatte oder wo er die englische Mörsergranaten Baujahr 1955 her hatte, weiß man im Detail nicht. Man weiß nur, dass er sie gehabt hat und dass er in der Lage war, sie zu bauen. Und die Bombe war ja ummantelt mit einem Feuerlöscher. Und zwischen Bomben, Aussenseite und Feuerlöscher waren ja noch Metall, Splitter und dergleichen, damit eine möglichst große, verheerende Wirkung erzielt werden konnte, die sich noch verstärkt hat dadurch, dass er die Bombe in einem Metall Abfalleimer getan hat, sodass diese Metallteile eben noch dazukam. Ein Tipp führte die Ermittler damals zu einem Neonazi namens Heinz Lembke. Der hortete Sprengstoff. Die Polizei durchsuchte sein Haus in der Lüneburger Heide in Niedersachsen, fand aber nur ein leeres Gewehr Magazin und eine Zündschnur. Dann aber stieß ein Waldarbeiter aus Ölziehen auf eine vergrabene Kiste. Er holte die Polizei, die entdeckte noch viele weitere Kisten mit. Waffen, Munition und tonnenweise Sprengstoff. Wie sich herausstellte, gehörten sie Lembke Land gestellt in Aussicht. Gegenüber der Bundesanwaltschaft umfassend auszusagen. Am ersten November 1981, einen Tag vor seiner Vernehmung durch einen Staatsanwalt, wurde er jedoch mit einem Kabel erhängt in seiner Gefängniszelle aufgefunden. Er hatte einen handschriftlichen Abschiedsbrief hinterlassen mit dem Vermerk Es ist Wolfs Zeit. Ein Ausdruck der rechtsradikalen Szene für die Stunde Null. Die Ermittlungen wurden eingestellt und in den Akten zum Oktoberfestattentat steht der Vermerk Erkenntnisse über Lembke sind nur zum Teil gerichts verwertbar. Solche Vermerke kommen normalerweise nur bei V-Leuten oder Mitarbeitern von Geheimdiensten vor. Damals war es für mich natürlich zunächst mal nicht plausibel, dass ein Geologie der Student eine relativ kompliziert zu bauende Bombe allein in seinem Keller zuhause ohne fremde Hilfe gebaut haben kann. Heute wissen wir aus den jetzt aufgenommenen Ermittlungen, dass er durchaus mit Bekannten im Ausland war, insbesondere in der Schweiz, um sich dort Sprengstoff zu besorgen, auch Anleitungen zum Bombenbau. Und wir wissen auch das wussten wir damals auch nicht, dass z.B. ein Bruder von ihm, der Chemiker ist, ihn sozusagen eingeführt hat in die Grundkenntnisse der Chemie. Ich sage nicht, dass der Bruder Mittäter bei der Tat war, aber er hat Köhler Kenntnisse beigebracht, die dazu geführt haben können, dass er die Bombe allein gebaut hat. Davon geht inzwischen auch die Bundesanwaltschaft aus. Dass diese durchaus komplizierte Bombe von Köhler mit diesen Vorkenntnissen und mit den Ingredienzien, die er da im Keller bei sich hatte, gebaut werden konnte. Aber warum? Warum soll er das getan haben? Es war ja nicht so wie bei sonstigen terroristischen Taten, dass sich das gegen eine bestimmte Gesellschaftsgruppe oder Bevölkerungsgruppe richtet, also Ausländer oder Linke oder so. . Wir haben hier nicht dieses, was man normalerweise Opfer Identität nennt, sondern das war eine die Wahllosigkeit oder die Masse der Opfer. Die sollte es in diesem Fall bringen, sollte die Leute dazu bringen, die Verhältnisse hier abzulehnen und eine eine Bereitschaft zu einer autoritären politischen Lösung. Das war das Ziel, was insgesamt auch bei den europäischen Rechten damals diskutiert wurde in Italien, in Frankreich, auch in Belgien. Und dass ein Teil dieser Rechten wollte das eben mit solchen terroristischen Attentaten, sozusagen die Bereitschaft in der Bevölkerung, sich zu öffnen für solchen gewaltsamen Umsturz herbeibomben. Das, das war das Ziel von Gundolf Köhler, die Stimmung zum Umsturz herbeibomben, sagt Anwalt Dietrich. Ein politischer Zusammenhang, ein politisches Motiv, so kann man das wohl sehen. Und damit liegt dann auch nahe, dass Köhler eben nicht allein handelte, sondern dass da jemand mitmischte. Wer auch immer. Ich hatte neben dem juristischen Interesse auch ein zeitgeschichtliches Interesse, weil ich auch Politologe und Historiker bin und deswegen mich das auch interessiert hat und ich auch gleich den Zugang hatte und gesehen. Das ist ja zehn Tage vor der Bundestagswahl. Schmidt Gegen Strauß, Freiheit gegen Sozialismus passiert und ich sowieso nicht geglaubt habe, dass Köhler das allein gemacht hat und gewesen ist und auch nicht, dass er privat individuelle Motive hatte. Das war damals durchaus üblich bei den gewaltbereiten europäischen Rechtsradikalen, dass die Attentate mit Breitenwirkung, also mit vielen Toten, begangen haben. Sechs Wochen vor dem Münchner Attentat war ja das in Bologna gewesen, mit über 80 Toten. Und das habe ich in dieser Konstellation eben auch gesehen. In unserem abgesperrten Bereich vor dem Haupteingang haben sich lauter kleine Menschen Inseln gebildet, Sanitäter und andere Wisen, Besucher, die wie ich zufällig mitten im Alptraum gelandet sind und sich jetzt um die Opfer am Boden kümmern. Ich gehe herum und schaue, ob ich noch irgendwo helfen kann, aber da scheint irgendwie jeder versagt zu sein. Plötzlich trete ich auf etwas Weiches. Ich kann es heute noch unter meinem Fuß spüren, wenn ich dran denke. Damals in den 80ern trägt man als Jugendlicher ja noch keine Tracht. Wenn man auf die Wiesen geht. Ich habe Jeans an eine weite blaue Jacke mit dicken Schulterpolster. Und Kollege Schuhe, das sind dunkelblaue, flache, bequeme Schuhe mit glatter Sohle. Und mit dieser glatten Sohle rutschig auf irgendetwas Weichem, Glitschigen aus. Ich schaue runter und sehe auf dem Kopfsteinpflaster einen kleinen Fetzen Fleisch mit einem Finger dran. Auch das löst bei mir erstaunlicherweise keine großen Emotionen aus. Noch nicht mal Ekel. Fleisch, Stückchen und zerfetzte Körper haben halt keine Schmerzen mehr. Es sind nur noch abstrakte Dinge. Die Sache mit dem abgetrennten Finger zieht Kreise. Allerdings erst viel später, 2014, als Judith das Foto mit sich auf dem Buchtitel sieht und sich bei dem Autor Ulrich Chaussy meldet. Und das hat die Julliard Marischka sehr umgetrieben. Weil sie nämlich, als sie ihre Hilfeleistung an der Verletzten hier, als sie damit fertig war, die von den Sanitätern weggebracht war, ging sie noch ein bißchen umeinander und hat einen Finger, einen einzelnen Finger Teil völlig zerfetzt gefunden. Für den Journalisten Chaussy eine spannende Information. Am Tatort war nämlich eine Hand gefunden worden. Es gab Zeugenaussagen und Obduktionsbericht, wie Attentäter Köhler die Bombe gehalten haben musste. Demnach konnte es nicht die Hand des Attentäters sein. Seine Hände mussten durch die Detonation vollständig zerstört sein. Doch wem gehörte dann diese Hand? Womöglich einem zweiten Mann, der sich kurz vor dem Attentat mit Köhler gestritten hatte und zusammen mit ihm am Tatort gesehen wurde? Jahre später gab es nun die Möglichkeit, dies auch zu beweisen. Ob Hand und Finger zu Köhler gehörten oder ob auch vor Ort Helfer und Mittäter waren. So ging das ganz los. Eigentlich in einer späteren Phase meiner meiner Recherchen nach dem Buch von 1980 in meinen vielen Rundfunk Berichten habe ich im Jahr 2006 an die damalige Generalbundesanwalt geschrieben und habe gesagt Liebe Frau Harms, bitte untersuchen Sie doch nochmal diese Hand. Und wenn es tatsächlich stimmt, dass diese Hand Zero logisch nicht zu Köhler passt, kann es keine Einzeltat gewesen sein. Wenn sich die damals geirrt haben. Ja, dann vielleicht doch. Aber man kann ja heute mit der DNA einen viel genaueren Abgleich machen, zu wem dieses Körperteil passt. Naja, ein paar Wochen später kam dann der Brief von der Bundesanwaltschaft. Diese ganzen Reservate gibt's nicht mehr. Es wird also nie geklärt werden, wem diese Hand gehörte. Jahre später meldete sich eine Krankenschwester aus Hannover als Zeugin. Ihr Sohn hatte den Spielfilm Der blinde Fleck im Fernsehen gesehen. Ein Film über das Oktoberfestattentat von Ulrich Chaussy. Sie erinnerte sich an einen Mann, der damals bei ihr in Hannover in der Klinik gewesen sei. Unweit des Waffenhändler aus Niedersachsen. Dem Patienten habe eine Hand gefehlt, und jetzt habe sie durch den Film mitbekommen, dass eine Hand am Tatort gefunden wurde. Die Zeugin wörtlich Er hatte ein Strahlen im Gesicht. Ich war völlig irritiert. Er hat nicht viel geredet und noch nicht erzählt, was ihm passiert war. Zudem seien seltsame Männer zu Besuch in die Klinik gekommen und der Mann ohne Hand sei irgendwann plötzlich verschwunden, bevor seine Behandlung abgeschlossen war. Die Bundesanwaltschaft ging dem Hinweis nach, ebenfalls ohne Ergebnis. Die Hand war nicht das einzige Beweisstück, das den Ermittlern abhanden kam. Hat sich da jemand bemüht, Spuren zu verwischen? Jemand, der mächtig genug war und dazu in der Lage? Jemand, der nicht wollte, dass die Hintergründe aufgeklärt werden. Jemand, der nicht wollte, dass Hintermänner Köhlers gefunden werden? Und was hat Karl-Heinz Hoffmann, der Gründer der Wehrsportgruppe Hoffmann, mit dem Attentat zu tun? Jeder wusste doch, dass mir die Demokratie sozusagen am Arsch vorbeigeht. Das alles in Episode 2 Geheime Akte Oktoberfestattentat Ein Podcast von Antenne Bayern jetzt abonnieren und anhören auf Antenne D und überall, wo es Podcasts gibt.

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